Mitbewohner
Von mizi am Feb 4, 2010 | In Gedichte | Sende Feedback »
Alleinsein ist ein hartes Los
Und kostet auch ne Menge Moos.
Denn bei der Miete für ein Haus
Zieht es dir fast die Schuhe aus.
Drum sucht man sich für seine Räume
Den Partner seiner Wohnungs-Träume.
Die Partnersuche fällt sehr schwer
Man gibt sich oft für Schlechtes her.
Was hier zählt, das ist das Geld
Nicht, ob man das Versprochene hält.
Denn will man in Frieden leben
Muss es ein paar Regeln geben.
Kühlschrank, Putzen und die Ruhe,
das Stellen vor die Tür der Schuhe.
Da muss man vorher drüber Sprechen,
die Regeln darf man dann nicht brechen.
Man muss nun einen Partner wählen,
und hofft, er wird nicht zu sehr quälen.
Anfangs putzt er klinisch rein,
im Kühlschrank trennt er: „dein“ und „sein“,
er ist stets leise und diskret,
er sagt: „Mach’s gut!“ sobald er geht.
Man kann sagen, im Prinzip
Ist der Kerl ein Spitzentyp.
Ein paar Wochen sind vergangen
Da hat der Ärger angefangen:
Betritt man nur das Badezimmer
Bekommt man einen leisen Schimmer,
dass hier irgendwas nicht stimmt,
weil was in der Wanne schwimmt.
Haare, die er, ach wie lieb
Gelassen hat im Auffangsieb.
Man schluckt den Ekel einfach runter
Doch der Kerl treibt es noch bunter.
Da will man nur telefonieren
man braucht es gar nicht erst probieren
Der Mann blockiert oft stundenlang
Das Telefon mit Sprechgesang.
Diese Stimme schon allein
Fährt einem durch Mark und Bein.
Sie ist so laut, so grell und schrill
Man fleht ihn an: sei endlich still!
Auch bricht der ungezogne Flegel
Die goldne Türe-Schuhe-Regel
Er läuft durch Matsch in einer Ruhe
Dass ein jeder seiner Schuhe
Alles in sich saugen kann
Und in der schönen Wohnung dann
will der Dreck sich präsentieren
So dass man selbst auf allen vieren
Den ganzen Matsch vom Boden schrubbt.
Als Monster hat er sich entpuppt.
Denn Matsch und Dreck nimmt man in Kauf
Beim Essen hört der Spaß dann auf
Da freut man sich den ganzen Tag
Auf seinen schönen Früchtequark
Und schaut man in den Kühlschrank rein
Sieht man- oh nein, das kann nicht sein.
Was der Typ sich alles traut
Der Drecksack hat den Quark geklaut.
Den Quarkschock erst einmal verdaut
Bis man den Rest der Küche schaut.
Putzen sollte er laut Plan
Doch das hat er nicht getan.
Der Tisch beschmiert mit Marmelade
Aus dem Obst kriecht eine Made
Benutzte Teller in der Spüle
Am Boden kleben schon die Stühle
Man will es kaum zu denken wagen
Wie es hier roch vor ein, zwei Tagen
Als man noch selber hat geputzt
Denn was hat es jetzt genutzt?
Statt lieblichem Zitronenduft
Stinkt es hier wie in der Gruft.
Man denkt: Das muss er bezahlen
Und beginnt sich auszumalen,
wie schön es wäre sich zu rächen
ihm die Knochen zu zerbrechen,
oder mit dem langen Messer
so gelingt es noch viel besser,
zwar wär’ er tot und selber man
von nun an mit dem putzen dran.
Doch würd’ man sich nicht groß drum scheren,
dass sich die Maden auf ihm mehren,
denn der Gestank, DAS kann man sagen,
würde wohl nicht halb so plagen.
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